Die Idee

Ausgangslage – Das Problem

“Der Erde geht es zu Beginn des neuen Jahrhunderts so schlecht wie noch nie…”, besagt die alarmierende Bilanz des amerikanischen Wordwatch Instituts vom Januar 2000. Die derzeitige Situation unserer Erde erfordert bei realistischer Betrachtung eine Fortsetzung des Satzes “…und ihr wird es noch viel schlechter gehen.”

Derzeit leben auf der Erde etwa 6 Milliarden Menschen, ein Sechstel davon, d.h. 1 Milliarde Menschen beanspruchen für sich den gesamten weltweiten Energie- und Rohstoffverbrauch, da sie im so genannten Wohlstand leben, und sind damit Hauptverursacher des Treibhauseffekts.

Selbst wenn das Wachstum der Bevölkerung nun stagnieren würde, zeitgleich aber der Wohlstand auf ein dreifaches erhöht würde, hätte dies einen unabwendbaren dreifachen Verbrauch von Energie und Rohstoffen zur Folge. Der momentan vorherrschende Klimawandel und das derzeit bestehende Ökosystem zeigen durch ihre jährlich wiederkehrenden Jahrhundertkatastrophen, das ein steigender Verbrauch zu weiteren katastrophalen Folgen führen würde. Das Ökosystem und der Klimawandel sollten jedoch nicht durch Einschränkung des Wohlstands –  der wohl kaum akzeptiert würde – positiv beeinflusst werden, sondern durch neue innovative Wege.

Diese Aufforderung richtet sich an die westlichen Industrienationen, da sie als Hauptverursacher die Verantwortung tragen. Etliche Industriezweige zeigen sich bereits verantwortungsbewusst und setzten modernste Technologien zur Umweltentlastung ein. Die enorme Steigerung der Energiekosten z.B. erhöhte Benzinpreise, und der Treibhauseffekt veranlassten die Autoindustrie Fahrzeuge zu entwickeln, die mit regenerativen Treibstoffen (Wasserstoff, Gas, Raps) betrieben werden oder die nur noch 3 Liter Treibstoff benötigen.

Innovationen im Baugewerbe ermöglichen es heutzutage Häuser zu bauen, die mit der gleich kleinen Menge von 3 Litern Heizöl pro m² ein ganzes Jahr beheizt werden können.

Nach jahrelanger Missachtung der Ressourcenknappheit und Umweltzerstörung verhelfen der heutigen Generation neuste wissenschaftliche Erkenntnisse und neue technische Möglichkeiten eine effektivere Nutzung von regenerativen Energien zu erreichen und die Atmosphäre von sinnlosen Belastungen zu befreien.

Faktor 4 – Die Lösung

Der Club of Rome wurde 1968 als weltweite Organisation von über 100 Mitgliedern bestehend aus Wissenschaftler, Manager und Politiker gegründet. Die Zukunft der Menschen war Hauptbestandteil der Diskussionen.

Im Laufe der Jahre beschäftigte sich der Club, aufgrund des zunehmenden Verbrauchs der natürlichen Ressourcen und deren ökologischen Folgen, mit der Minderung der CO2-Emission. In dem Buch “Faktor Vier” von Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amors B. Lovins und L. Hunter Lovins werden Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, “aus einem Fass Öl (…) viermal so viel Wohlstand herauszuholen”. Es wird die Möglichkeit aufgezeigt, den Wohlstand imperativ zu verdoppeln und zeitgleich den Naturverbrauch zu halbieren.

Das Buch “Faktor Vier” auf Amazon:

Faktor vier: Doppelter Wohlstand – halbierter Verbrauch. Der neue Bericht an den Club of Rome

sowie die Fortsetzung, welche im März 2010 erscheint:

Faktor Fünf: Die Formel für nachhaltiges Wachstum

Faktor 10: Das Passivhaus

Wie zuvor schon dargestellt, benötigt man vom gesamten Energieverbrauch eines Haushaltes 75% für die Raumwärme:

  • Ein herkömmlichen Einfamilienhauses verbraucht im Schnitt jährlich etwa 2000 bis 2500 Liter Heizöl;
  • Zur Lagerung des Tanks wird oft ein ganzer Kellerraum benötigt.

Der Verbrauch eines gleich großen Passivhauses beträgt 150 bis maximal 225 Liter und entspricht einem Fassungsvermögen von einem durchschnittlichen Aquarium.

Das Passivhaus erreicht also nicht nur den geforderten “Faktor 4″, dessen Ziel es ist, aus einem Liter Öl den vierfachen Wohlstand herauszuholen, sondern sogar eine Energieeffizienz von “Faktor 10″.

Passivhäuser benötigen nur 5% -10% des Heizwärmebedarfs gegenüber herkömmlichen Häusern. Aus diesem Grund ist, im Gegensatz zum Niedrigenergiehaus, keine konventionelle Öl- oder gasbetriebene Heizanlage notwendig, was die Umweltbelastung sowie die Heizenergiekosten beträchtlich reduziert.

Der niedrige Energieverbrauch eines Passivhauses basiert auf einzelnen bautechnischen Komponenten, die so aufeinander abgestimmt sind, dass die nach außen strömende und damit verloren gehende Wärme auf ein Minimum reduziert wird. Zeitgleich wird die im Haus ohnehin anfallende Wärme und das einfallende Sonnenlicht maximal genutzt.

Faktor 4 und mehr beim Bauen

Energiesparendes Bauen ist, zur Unterstützung des Faktors 4, unabdingbar und wird daher immer bedeutungsvoller:

  • Schonung der Energieressourcen;
  • Minderung der Emissionen und
  • Verringerung der Gefahr der Klimaveränderungen umfasst.

Dies wird verdeutlicht, wenn man die Aufteilung des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland betrachtet:

Gesamtenergieverbrauch 2007 in Deutschland (27% fallen auf Haushalte und davon wiederum 71% auf Raumwärme)

Datenquellen: Bundesministerium für Wirtschaft Technologie (1) und (2)

Die für Heizzwecke in den privaten Haushalten benötigte Energie ist mit 27% fast so hoch wie die des gesamten Verkehrs und hat dadurch einen grossen Anteil am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland. Betrachtet man den gesamten Energieverbrauch innerhalb von Wohngebäuden so kommt dem Wärmeenergieverbrauch mit 71% eine entscheidende Rolle zu.

Beim Endenergieverbrauch der privaten Haushalte entfallen 83% auf die Heizung und das Warmwasser. Die Anteile für Hausgeräte und Licht sind mit 12% bzw. 2% wesentlich geringer als häufig vermutet.

Die Wärme- und Warmwasserversorgung bei privaten Haushalten bieten nun also ein riesiges Einsparpotenzial, welches durch simple bauliche Massnahmen nutzbar ist und bisher kaum ausgenutzt wurde.

Um das dringend erforderliche Einsparpotenzial bei der Wärmeversorgung von Gebäuden zu erreichen, wurden zunehmende Anforderungen an den Heizwärmebedarf von Neubauten und die Begrenzung des Wärmedurchgangskoeffizienten von Bauteilen durch den Gesetzgeber mit den Wärmeschutzverordnungen gestellt.

Die unten dargestellte Tabelle verdeutlicht die Einsparungen des Jahres-Heizwärmeverbrauch nach den jeweiligen Verordnungen.

Zur Verdeutlichung wird im Folgenden der Jahresheizwärmebedarf (ohne Warmwasser) in benötigtem Heizöl bei einem Wohnraum mit beispielhaft 150 m² Wohnfläche aufgezeigt:

Jahr Heizenergiebedarf
pro m² pro Jahr
Heizenergiebedarf
pro m² pro Jahr in Liter Heizöl
Total Jahresheizwärmebedarf
in Liter Heizöl
vor WSVO 280 kWh 28 l 4200 l
WSVO 77 220 kWh 22 l 3300 l
WSVO 84 220 kWh 19 l 2850 l
WSVO 95 140 kWh 14 l 2100 l
heutiges Niedrigenergiehaus (EnEV 09) 70 kWh 7.0 l 1050 l
KfW 70 (nach EnEV 2009) 49 kWh 4.9 l 735 l
KfW 55 (nach EnEV 2009) 38.5 kWh 3.85 l 600 l
Passivhaus 15 kWh 1.5 l 225 l

Die Niedrigenergiebauweise nach heutigem Standard (EnEV 2009) weist mit weniger als einem Drittel des Heizenergieverbrauchs eine deutliche Verringerung gegenüber dem älteren Wohnhausbestand auf. Die Reduzierung des Heizwärmebedarfs von 200 bis 300 kWh pro m² pro Jahr beim Bestand auf 30 bis 70 kWh pro m² pro Jahr beim Niedrigenergiehaus (NEH) wird bereits heute als Stand der Technik angesehen.

Vergleicht man nun den Heizenergieverbrauch eines Passivhauses (maximal 15 kWh pro m² pro Jahr) mit denen herkömmlicher Einfamilienhäuser, so stellt man fest, dass man mit dem Verbrauch eines einzigen herkömmlichen Altbaus mehr als 18 Passivhäuser beheizen könnte.

 

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