Ein Interview, das Dr. Daniela Jacob, Deutschlands führende Klimaforscherin, mit Friederike Schön von der Für Sie in Ausgabe 20/2014 führte.

 

2014 12 31 Gutes Klima

Bild: Fa. Sommer Passivhaus GmbH

Frau Dr. Jacob, im September findet in New York der nächste Klimagipfel statt. Weltweit arbeiten Forscher an Szenarien des Klimawandels und wie er unser Leben verändert. Was ist Ihre Aufgabe?

Ich habe eine regionales Klimamodell entwickelt, ein Compuerprogramm, mit dem wir berechnen können, wie sich das Klima in Deutschland verändern kann. In den globalen Klimamodellen konnten Regionen wie die Lüneburger Heide oder manche Ostseeinseln bisher nicht betrachtet werden. Mit meinem Programm können wir in die weltweitern Berechnungen wie mit einer Lupe hineinzoomen. Anhand der Ergebnisse geben wir auch konkrete Informationen an Entscheider in Politik und Wirtschaft, um planerische Fragen besser  beantworten zu können: Wo muss vermehrt mit Starkregen gerechnet werden, wo sollte man künftig keine Baumwolle mehr anbauen, weil es dort zu trocken wird?. Macht es Sinn, Biograsanlagen aufzustelle, die man z.B. mit Mais füttert, an Orten wo man den Mais in Zukunft noch mehr bewässern müsste?

Der letzte Winter war besonders warm – können wir da schon von einer Erderwärmung sprechen?

Viele verwechseln das Wetter mit dem Klima. Was man merkt und was man fühlt, ist dieses eine Wetter, also z.B. dieser eine nasse und warme Winter 2013. Aber der sagt gar nichts über das Klima und dessen Entwicklung im Ganzen aus. Das Klima ist das langjährige Mittel vieler Winter, es ist also die große Summe aller Wetterphänome. Dass wir uns insgesamt und langsam in eine wärmere Welt bewegen, ist zwar nicht unmittelbar und heute fühlbar. Aber wahr.

Und was sagen Stürme und Überflutungen , wie wir sie ja in diesem Jahr in Deutschland erleben über den Klimawandel aus?

Man kann nicht sagen, dieser eine Sturm wäre nicht passiert, wenn wir den Klimawandel nicht hätten. Man kann auch nicht sagen, dieser schönen Sommer war nur da, weil wir eine Klimaerwärmung haben. Das sind ganz normale Schwankungen, die auch weiterhin vorkommen werden, auch in Zeiten des Klimawandels. Nochmal: Auch wenn sich unser Klima verändert und sich die Atmosphäre erwärmt, in der das Klima ja entsteht, wird es trotzdem noch den ein oder anderen kalten Winter geben. Allerdings ist die Häufung von extremen Wetterereignissen, wie wir sie in den letzen Jahren beobachtet haben, ein deutlliches Anzeichen für den Klimawandel.

Welche Veränderungen lassen sich für Deutschland schon konkret festmachen?

Wir haben ganz klare Messungen, die belegen, dass sich die Temperaturen insgesamt verändern. In Deutschland ist es in den letzten 100 Jahren bereits um etwa ein Grad wärmer geworden, und der Regen in den Herbst- und Wintermonaten hat in den letzen 30 Jahren um über 20 % zugenommen. Zudem gibt es biologische Indikatoren, z.B. bestimmte Muschelarten, die es vorher nicht in unseren Gewässern gab, oder Blumen, die früher oder später blühen also normal.

Was kommt auf uns zu?

In den kommenden Jahrzehnten werden die Sommer in Norddeutschland deutlich trockener, die Stärke der Gewitter und die Regenmenge nehmen zu. Gerade in letzter Zeit haben wir ja häufig gesehen, dass die Abwassersyseme in den Städten dringend erweitert werden müssen, das sie das Regenwasser oft nicht mehr fassen können. Die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre wird insgesamt weiter zunehmen.

Wie kritisch schätzen Sie die Lage ein?

Ich bin davon überzeugt, dass der Klimawandel fortschreitet, auch wenn er hierzulande nicht so dramatische Auswirkungen haben wird wie in anderen Teilen der Welt. Für Inselstaaten wie die Malediven wäre ein Anstieg des Meeresspiegels ein dramatisches Problem. Ich denke nicht, dass ganze Städte untergehen werden, aber an vielen Orten der Welt wird der Klimawandel definitiv zum Problem. In Afrka, aber auch im Mittelmeerraum – dort werden die Sommer noch trockener und heißer, und das Wasser wird knapper. Es besteht kein Grund zur Panik, aber wir sollen uns bewusst sein, dass sich das Klima ändert. Das bedeutet, dass wir uns darauf einstellen und entsprechend reagieren sollten.

Was heißt das konkret?

Mit der Energiewende in Deutschland sind wir auf einem richtig guten Weg, dem Klimawandel zu begegnen. Ich finde allerdings, dass sie nicht ernergisch genug vorangetrieben wir. Man müsste z.B. zeitnah alle öffentlichen Gebäude energieeffizient umrüsten. Viele Menschen nutzen bereits Ökosrom, haben Solarzellen auf ihren Dächern installiert und ihre Häuser mit Wärmedämmung ernergieeffizient ausgerüstet. Das ist eine tolle Entwicklung. Abgesehen davon, dass wir damit nicht nur Energie, sondern auch Geld sparen. Diese Möglichkeiten sollten wir noch viel stärker nutzen als bisher. Diesbezüglich gibt es auch viele Förderprogramme. Wir haben es in der Hand…

…und doch nehmen viele das Thema Klimawandel als reine Bredrohung war.

Ich finde es grundsätzlich falsch, Ängste zu schüren. Das ist auch gar nicht nötig. Wir brauchen eine positive Einstellung. Eine positive Entwicklung, keine Bedrohungsszenarien. Wir sollten vielmehr darüber sprechen, wie viele Arbeitsplätze die Energiewende schon geschaffen hat und in Zukunft noch schaffen wird. Dass wir jetzt auch die Gelegenheit haben, viele neue Produkte zu entwickeln und Ideen umzusetzen – wie z.B., emissionsarme Städte zu bauen. Es gibt da  noch ganz viel Raum für Verbesserung, Erneuerung und Innovation.

Was wünschen Sie sich ganz persönlich für den Klimaschutz?

Wir bräuchten so etwas wie eine Volksbewegung, Klimaschutz als Trend. Nach dem Motto: „Gutes Klima ist geil – und ich bin dabei!“ Da ist die Industrie, die zweifelsohne das meiste CO2, in die Atmosphäre pustet, genauso gefordert wie jeder Einzelne. Jeder noch so kleine Einsatz zahlt sich aus: Energie einsparen, Fahrrad fahren  und öfter öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das heißt nicht, dass der Spaß damit vorbei ist und wir nie wieder in den Urlaub fliegen dürfen. Aber z.B. könnten doch die Meetings großer Unternehmen häufiger per Videokonferenz stattfinden. Da muss doch nicht morgens hin und abends wieder zurückgeflogen oder der ganze Erdball für ein zweistündiges Treffen umrundet werden. Ich selbst fahre innerhalb Europas alle Strecken mit der Bahn, ob nach Budapest oder Kopenhagen. Wir sollten darauf achten, etwas bewusster zu leben. Dafür muss man nicht auf ein gutes Leben verzichten.

2014 12 31 Dr. Daniela Jacobs

Dr. Daniela Jacob, Bild: mpimet

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