Schimmel, Algen, Atemnot: Irrtümer und Vorurteile beim baulichen Wärmeschutz

 

2014 01 30 Dämmung_023Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Informiert im Januar über Zeitungsberichte und TV-Sendungen die immer wieder über angebliche Gefahren und hohe Kosten einer Wärmedämmung sanierungswillige Hausbesitzer verunsichern. Sie liefert Fakten zu weit verbreiteten Vorurteilen.

Bild: Fa. Sommer Passivhaus GmbH


Vorurteil 1: „Gedämmte Häuser schimmeln!“

Richtig ist: Dämmung verhindert Schimmel.

Sind Außenwände gedämmt, haben sie auf der Zimmerseite eine höhere Oberflächentemperatur. Die Feuchtigkeit der Raumluft kann deshalb nicht mehr so leicht an den Wänden kondensieren, was sonst den Schimmel begünstigt. Sinnvoll ist eine Dämmung von Außenwänden gerade auch dann, wenn neue Fenster mit Mehrscheiben-Wärmeschutzglas eingebaut werden oder das Dach abgedichtet wird. Denn durch diese Sanierungen verringert sich der Luftaustausch. Die Feuchtigkeit, die durch Bewohner, Kochen oder Waschen in den Räumen entsteht, gelangt nicht mehr so leicht nach außen. Bleiben dann auch noch die ungedämmten Wände innen kühl, steigt das Schimmelrisiko. Außenwanddämmung hilft. In jedem Fall aber müssen Bewohner richtig heizen und lüften – das heißt auch im Winter regelmäßig Stoßlüften bei weit geöffneten Fenstern. Reicht das nicht aus, kann eine Lüftungsanlage empfehlenswert sein.

 

Vorurteil 2: „Gedämmte Wände können nicht mehr atmen!“

Richtig ist: Wände können grundsätzlich nicht atmen.

Der Luftaustausch erfolgt ausschließlich über geöffnete Fenster oder eine Lüftungsanlage. Der Begriff der „atmende Wände“ bezieht sich auf den Feuchtetransport durch Bauteile, der so genannten bauphysikalischen Wasserdampf-Diffusion. Allerdings ist die sehr gering und zudem abhängig von den Wandoberflächen und spielt bei der Verringerung der Luftfeuchtigkeit im Gebäude so gut wie keine Rolle. Eine moderne, außen liegende Dämmung an sich erhöht also nicht das Schimmelrisiko, sondern hält im Gegenteil das Gebäude trocken und die Innenoberflächen der Wände warm.

 

Vorurteil 3: „Gedämmte Außenwände veralgen!“
Richtig ist: Gegen Algenbefall lässt sich einiges tun.

 

An gedämmten Fassaden trocknet Regen- und Tauwasser langsamer ab als an ungedämmten, weil sie nicht von innen gewärmt werden. Diese Feuchtigkeit schafft die Voraussetzung für das Wachstum von Algen. Auch eine Nord- oder West-Ausrichtung oder die Nähe zu Wäldern begünstigen einen Bewuchs. Deshalb vermindern ein guter Schutz der Fassade vor Regen durch ausreichende Dachüberstände und Tropfkanten an Fensterbänken und Abdeckungen den mikrobakteriellen Befall. Bei Neubauten sollte idealerweise ein solcher Witterungsschutz mit geplant werden. Auch die Beschaffenheit der Oberfläche ist wichtig: Bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) haben sich mineralische dickschichtige Putze und relativ dunkle Anstriche bewährt. Sie speichern die Wärme der Sonne und verringern so die Tauwasserbildung. Zudem können sie Feuchtigkeit aufnehmen und kontinuierlich wieder abgeben, so dass sich kein Wasser auf der Wandoberfläche staut.

 

Vorurteil 4: „Dämmung rechnet sich nicht!“
Richtig ist: Dämmung lohnt sich fast immer, besonders bei Gebäuden in schlechtem energetischen Zustand.

 

Eine Dämmung reduziert die Wärmeverluste des Gebäudes und spart Heizkosten ein. Wie lange es dauert, bis diese Einsparungen die Investition ausgeglichen haben, richtet sich nach der jeweiligen Maßnahme und dem Gebäudezustand. Nach Berechnungen des Instituts für preisoptimierte energetische Gebäudesanierung (IpeG) amortisiert es sich manchmal schon nach einem Winter, die oberste Geschossdecke zu dämmen. Bei einer Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk liegt die Amortisationszeit zwischen fünf bis sieben Jahren, bei einem WDVS meist bei weniger als 20 Jahren. Ins Kalkül sollte man einbeziehen, dass Häuser über Jahrzehnte bewohnt werden und dass man bei steigenden Energiepreisen durch eine Wärmedämmung tendenziell immer mehr einspart. Zudem sind viele Sanierungsmaßnahmen aufgrund neuer Standards oder zur Instandhaltung des Gebäudes ohnehin irgendwann fällig. Die Zusatzinvestition für eine energieeffiziente Sanierung ist dann häufig gar nicht viel teurer.

 

Vorurteil 5: „Dämmung erhöht die Brandgefahr!“
Richtig ist: Sind Materialien geeignet und korrekt verarbeitet, steigt das Feuerrisiko nicht.

 

Viele übliche Dämmstoffe wie Mineral- und Steinwolle oder Perlite sind überhaupt nicht brennbar. Beim Einbau brennbarer Materialien wie Polystyrol oder Holzweichfasern sind allerdings bestimmte Schutzmaßnahmen erforderlich. Hier muss etwa bei Mehrfamilienhäusern zwingend ein so genannter Brandriegel mit Mineralwolle als Brandschutz eingefügt werden. Bei den meisten der bekannt gewordenen Brände wurden zudem entweder WDVS verwendet, die gar keine Zulassung hatten oder bei denen einzelne Systemkomponenten ausgetauscht wurden. Werden bei einer Dämmung die Brandschutzbestimmungen eingehalten, ist die Gefährdung kaum höher als bei ungedämmten Außenwänden.

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