Das Fraunhofer Institut für Bauphysik wollte es genau wissen!

 

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) kommen seit über 40 Jahren zur Anwendung und haben sich als wirtschaftliche Maßnahme zur Außendämmung von Alt- und Neubauten  erwiesen. Verwendet wird in der Regel expandiertes Polystyrol (Kurzzeichen EPS). Bekannte Handelsnamen in Deutschland sind Styropor und Styrodur. EPS (Schaumpolystyrol) wurde 1949 von BASF erfunden.

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Bild: Fa Sommer Passivhaus

Polystyrol ist gegen wässrige Laugen und Mineralsäuren gut beständig, gegen Lösungsmittel wie Benzin oder Aceton nicht. Es ist UV-empfindlich, hat eine eingeschränkte Temperaturbeständigkeit und neigt zu Spannungsrissen. Es ist wenig wärmebeständig, ab 55 °C setzt eine Beschleunigung der Alterung ein weshalb es nur bis 70 °C einsetzbar ist. Wegen seiner sehr geringen Wärmeleitfähigkeit wird Polystyrol zur Wärmedämmung für Gebäude eingesetzt. Die Bauindustrie ist der größte Abnehmer von EPS. Bei der Verwendung sind die zugehörigen Normen EN 13162 bis EN 13171  sowie die bauaufsichtliche Zulassung Z 23.15… der Hersteller sowie die Qualitätsrichtlinien und Prüfbestimmungen der Bundesfachabteilunge Qualitätssicherung EPS-Hartschaum zu erfüllen. Charakteristisch für EPS ist sein Aufbau aus etwa 2-3 mm großen, zusammengebackenen Schaumkugeln, die z.B. beim Brechen einer Schaumstoffplatte deutlich zu Tage treten.

Polystyrol und Schaumpolystyrol wird in vielen Bereichen wie Elektrotechnik, Lebensmittelindustrie, Verpackungsindustrie usw. verwendet. Die großen Mengen stellen eine Abfallproblematik dar. Es baut sich unter Lichtausschluss nicht biologisch ab. Verrottet also nicht. Probleme gibt es beim Recycling. Das Freisinger Fraunhofer Institut hat ein Sammel- und Recycling Verfahren  mitentwickelt bei dem unter Einsatz von Lösungsmitteln Polystyrol hochrein wiedergewonnen werden kann.

Je nach Herstellungsart wird zwischen normal weißen und eher grobporigen EPS, z.B. Styropor von BASF und dem feinporigen XPS(Extrudierter Polystyrol-Hartschaum), z.B.

Styrodur (BASF grün), Jackodur (Jackon insulation, Farbe lila), Austrotherm XPS (Farbe rosa) oder Styrofoam (Dow Chemical, Farbe blau) unterschieden.

XPS wird aufgrund seiner hohen Druckfestigkeit und geringe Wasseraufnahme beispielsweise bei der Dämmung von Gebäuden gegen Erdreich (Perimeterdämmung) eingesetzt.


Nachfolgende Textpassagen stammen aus der IBP- Mitteilung 316 des Fraunhofer Institut für Bauphysik:

Das Fraunhofer Institut für Bauphysik hat Bauten mit  Polystyrol-Hartschaum und Kunstharzputzen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz ab dem Jahr 1975/76 überprüft und hinsichtlich ihres Zustandes bewertet. Dadurch können Aussagen über das Langzeitverhalten und Instandhaltungsmaßnahmen gewonnen werden.

Im Untersuchungszeitraum von 1975 bis 1995 zeigten sich praktisch keine Mängel. Putzrisse, meist an Dämmplattenstößen, sind systemspezifisch zu sehen und sind als optische Beeinträchtigung einzustufen. Nach den Untersuchungen beeinflussen solche Risse den  Feuchtegehalt und damit die Dämmfunktion der Dämmschicht nicht. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Dämmstoff nicht hygroskopisch und nicht saugfähig ist. Auch ist nicht mit Folgeschäden, ausgehend von solchen Putzrissen, zu rechnen.

Im Betrachtungszeitraum waren die untersuchten Objekte bis 25 Jahre alt.  Es gab drei Überprufungstermine. Die überwiegende Mehrheit der Bauten war mit „praktisch ohne Mängel“ oder geringe Mängel einzustufen. Nur bei sehr wenigen Bauten waren „größere Mängel“ festzustellen. Durch die mehrmalige Besichtigung ein und derselben Gebäude waren gewissermaßen die „Lebensläufe“ der jeweiligen Wärmeverbundsysteme mit Änderung des Schadensbildes und zwischenzeitlichen Renovierungen zu erfassen.  Daraus ist zu entnehmen:

  • dass die untersuchten  Objekte zwischen 1970 und 1980 mit Wärmeverbundsystem versehen worden sind, also bei der letzten Bewertung 25 bis 15 Jahre alt waren,
  • dass mit einer Ausnahme alle Objekte in diesem Zeitraum einmal renoviert worden sind,
  • dass bei der letzten Besichtigung der Zustand der Fassaden besser war als bei der ersten ( bei der ersten Besichtigung 60% in der Gruppe, die mit: Praktisch ohne Mängel, eingestuft waren, bei der letzten 90%)

Das ist wohl dadurch zu erklären, dass die Risse längs der Dämmplattenstöße, die anfangs durch Nachschwinden der Polystyrol-Hartschaumplatten entstanden sind, durch einen rissefüllenden  Anstrich dauerhaft überdeckt werden konnten.

Zur Instandhaltung (Renovierung) wurde in der Mehrzahl der Fälle ein neuer Oberflächenanstrich angebracht was nach einem Zeitraum zwischen 10 und 20 Jahren normal ist, um übliche Fassadenverschmutzung bzw. Alterung zu kompensieren. Eine optische Beeinträchtigung ist auch abhängig von der Lage des Gebäudes. An Verkehrsreichen Straßen ist mit einer stärkeren Verschmutzung zu rechnen.

Zusammenfassung

Durch die mehrmalige Überprüfung derselben Bauobjekte zu verschiedenen Zeitpunkten und der Erfassung von Reparatur- bzw. Instandhaltungsmaßnahmen ist eine Langzeit-Beurteilung von Wärmedämmverbundsystemen möglich, die in dieser Weise von anderen Bauarten nicht vorliegt. Die Dokumentation zeigt, dass sich Wärmedämmverbundsysteme in der Praxis bewährt haben,  dass Wartungsaufwand und Instandhaltung nicht anders sind als bei anderen Putzfassaden oder vergleichbaren Wandsystemen.  Es bestätigt sich das Ergebnis einer früher durchgeführten Umfrage bei Bausachverständigen und Baupraktikern, wonach bei Kunstharzputzen auf Mauerwerk bzw. Dämmschichten innerhalb eine Zeitraumes von 10 bis 25 Jahren eine Überarbeitung notwendig ist. Keinesfalls weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die Lebensdauer von Wärmedämmversbundsystemen strickt begrenzt ist, z.B. auf 30 Jahre, wie in einer Literaturveröffentlichung von H. Menkoff: Wärmeschutzverordnung und Wirtschaftlichkeit. Tagungsband unipor-Fachtagung von 1994, angenommen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass deren Lebensdauer bei sachgerechter Wartung gleich einzustufen ist wie die von verputztem Mauerwerk. Dessen Pflegen hängt weniger von den Materialeigenschaften ab als vielmehr von der Pflege und Wartung bzw. von der Umbau- und Änderungsfreudigkeit nachfolgender Generationen.

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