Keller, ja oder nein? Eine Entscheidungshilfe

 

2014 08 05 Keller









Bild: Fa. Sommer Passivhaus GmbH

Bei einem Neubau einen Keller mit einzuplanen will gut überlegt sein. Es gilt Vor- und Nachteile eines Kellerbaus und auch entsprechende Alternativen abzuwägen. In Altbauten ist ein Keller fast selbstverständlich. Doch heute stellt sich für Bauherren die Frage: benötige ich einen Keller? Das ist keine leichte Entscheidung. Zuerst ist die Frage der Nutzung zu beantworten. Wohin mit Waschmaschine, Trockner, Geräte, Werkzeug, Vorräte und vielem anderen? Kann oder will ich ihn als Wohnraum nutzen? Dann muss er anders geplant und ausgelegt sein. Bei Familien mit Kindern ist die Frage leichter zu beantworten. Kinder brauchen viel Platz für ihre Sachen. Sie können sich eine eigene Spielfläche schaffen oder wollen, wenn sie größer werden eine eigene Rückzugsmöglichkeit einräumen. Wie auch immer, hier bietet sich ein Untergeschoss an. Soll er als Hobbyraum ein idealer Platz zum Werkeln sein? Dient er als Lagerraum oder soll hier die Sauna untergebracht werden? Möchte ich einfach nur die gesamte Haustechnik aus den oberen Räumen raus haben und die Räume  anders, großzügiger, nutzen? In den neuen Wohngebieten ist häufig zu beobachten, dass die Autos auf der Straße stehen und die Garage als Stauraum für den fehlenden Keller herhalten muss.

Fachleute raten zum Keller. Die Ausbaureserve, Stauraum und Wohnraumnutzungsmöglichkeit steigert den Nutz- und Wiederverkaufswert erheblich. Wohnraumnutzung auf allen Ebenen ist angesichts knapper Grundstücke eine Wertsteigerung. Doch all dem stehen die Kosten für einen Keller entgegen. Eine Teilunterkellerung ist interessant, wenn nur die Haustechnik aus den oberen Etagen genommen werden soll.

Der Keller ist genehmigungsfrei wenn lediglich der vorhandene Wohnraum für die Eigennutzung erweitert wird. Nur wenn zusätzlicher separater Wohnraum entsteht, bedarf es einer Genehmigung. Dann wäre für eine Toilette, Bad oder auch bei einem Schwimmbad, eine Abwasserhebeanlage erforderlich.

Fenster müssen ca. 10 % der Grundfläche eines Raumes ausmachen. Normale Kellerfenster sind bei Nutzung als Wohnraum nicht erlaubt. Je nach Baugrundstück, Hanglage oder Keller über Erdniveau lassen sich hervorragende Lichtverhältnisse schaffen. Je nach Landesbauordnung sind gewisse Raumhöhen gefordert. Üblicherweise 2,3 bis 2,5 Meter bei Wohnraumnutzung. Die Raumhöhe ist auch von den persönlichen Vorstellungen und vom Wohlfühlfaktor abhängig. Ein Keller- bzw. Untergeschoss mit der niedrigsten möglichen Deckenhöhe bekommt eher einen Kellercharakter als eines mit der gleichen Raumhöhe wie in den Obergeschossen. Wobei auch hier in jedem Fall der Lichteinfall von großer Bedeutung ist. Großzügige Fenster, am besten mit einer Böschung, sorgen für ein angenehmes Raumgefühl.

Ein Passivhaus braucht nicht auf einen Keller zu verzichten. Der große Vorteil bei einem Passivhaus,  in seiner Gesamtheit ist es so ausgelegt, dass die notwendigen Werte für den Passivhausstandard erreicht. Das heißt, auch der Kellerbereich hat immer Wohnraumqualität. Damit die gültigen Werte für ein Passivhaus erfüllt werden, gehört eine wärmebrückenfreie Ausführung und mittels Drucktest nachgewiesene Luftdichtheit des Baukörpers dazu. Haus und Keller sind eins. Die Vorteile eines Passivhauskellers liegen auf der Hand und äußern sich nicht nur in der Energieeffizienz, sondern auch in der Wertsteigerung des gesamten Objektes. Kellermuff kennt ein Passivhaus nicht. Das Lüftungssystem mit kontrollierter Wärmerückgewinnung sorgt für einen permanenten Luftaustausch wie in den oberen Etagen.

Viele Faktoren haben einen Einfluss auf den endgültigen Preis. Eigenleistungen sind eine preisgünstige Alternative. Nachteil, Gewährleistung und Garantie liegen bei ihnen selbst. Wenn der Kellerbau misslingt, kann man niemanden in Regress nehmen.

Bei einem Haus fallen evtl. nicht unerhebliche Kosten für Erdaushub und Fundamentplatte in frostsicherer Tiefe an.

In Abhängigkeit von den statischen Verhältnissen und dem Baugrundstück muss ein Haus z.B. unterschiedlich gegründet werden. Besteht der Boden aus felsigem Untergrund oder ist mit drückendem Wasser zu rechnen, hat das entscheidenden Einfluss auf die Kosten.

Geht man davon aus, dass solche Probleme nicht auftreten und unser fiktives Haus eine Grundfläche von ungefähr 100 m² hat, ist bei herkömmlicher Bauweise für eine Vollunterkellerung mit ca. 45.000 Euro zur rechnen. Bei einem Passivhaus, das für das Kellergeschoss Wohnraumqualität bietet, können es ca. 50.000 Euro sein. Dies stellt in jedem Fall nur eine ungefähre Richtgröße da, um überhaupt eine Vorstellung für den Kellerbau zu bekommen.

Je nach Wohnlage und Haustyp ist noch ein anderer, bisher wenig beachteter, Punkt zu berücksichtigen. Das Edelgas Radon. Das Gas ist nicht harmlos und knapp 2.000 Todesfälle pro Jahr sollen auf die Erdstrahlung zurückzuführen sein. Heikel wird das strahlende Gas erst ab einer bestimmten kritischen Konzentration. Diese wird nicht im freien, wohl aber in geschlossenen und erdbodennahen Räumen erreicht. Ab einer Radioaktivität von 100 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter Raumluft geht das Bundesamt für Strahlenschutz von einer relevanten Gesundheitsgefahr aus. Radon ist ein Gas, das sich im Erdboden bildet. Potentielle Eintrittsstellen im Hausbereich sind Hauswände, Fundament und Keller. Über Risse, Fugen und Rohrdurchführungen findet das Gas seinen Weg ins Gebäudeinnere.

Maßnahmen in bestehenden Gebäuden sind häufiges Lüften, Abdichten von Rissen und Fugen und Rohrdurchführungen im Boden und berührenden Hausbereichen, Abdichten von Kellertüren. Da die Strahlenbelastung nicht allein von der Konzentration des Radons in der Raumluft abhängt, sondern auch von der Aufenthaltsdauer im Raum abhängig ist, kann gegebenenfalls auch die Raumnutzung verändert werden. Immerhin jedes zehnte Haus in Deutschland soll laut Bundesamt entsprechend belastet sein.

Der Rat der Europäischen Union (EU) reagierte Ende 2013 auf das Problem und verabschiedete eine Richtlinie die einen besseren Schutz vor Radon in Wohnungen und am Arbeitsplatz vorsieht. Vier Jahre Zeit haben Mitgliedstaaten nun, um die Richtlinie in Gesetze umzusetzen.

Wie die verschiedenen Länder darauf reagieren ist noch offen. Ob niedrigere Werte festgelegt und welche juristischen Konsequenzen sich daraus ergeben ebenso.

Es lässt sich bereits einiges tun. Das erfordert aber Eigeninitiative. Zunächst sollte man feststellen wie hoch die Radonbelastung überhaupt ist. Die Grafik gibt schon mal einen Überblick wie unterschiedlich die Belastungen in Deutschland sind. Radonmessgeräte sind Leihweise erhältlich. Adressen und Ansprechpartner unter www.bds.de. Sollte sich aus dem Radonatlas der Wohnort als besonders kritisch heraus stellen, ist eine professionelle Messung ratsam.

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Dass Radon ein Gesundheitsrisiko darstellt, belegten Wissenschaftler anhand konkreter Zusammenhänge. Das Radon wird eingeatmet und zerfällt in der Lunge weiter zu sogenannten Alphastrahlen. Jede Erhöhung der Strahlenbelastung um 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft steigert das Krebsrisiko um zehn Prozent.

Der Passivhausstandard bietet hier gleich einen mehrfachen Schutz. Die Luftdichte Bauweise und die permanente, kontrollierte Hauslüftung mit Wärmerückgewinnung. Ohne Gefahr durch Radon.

Grafik: Bundesministerium für Strahlenschutz

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