Achtung! Bitte neuen Kostenvergleich Stand 2016 hier ansehen.

 

Sicher ist dieser Vergleich bei der Überlegung ein neues Haus zu bauen höchst interessant. Doch es lassen sich kaum aktuelle Berechnungen finden. Außerdem sind alle Berechnungen mit Vorsicht zu betrachten. Gibt es doch zu viele Möglichkeiten sich diesem Thema zu nähern und etwas auf die Beine zu stellen was den Bauherren nützen könnte.

2014-01-28 Grafik Prinzip Passivhaus

Mir ist zum einen aufgefallen, die Diskussionsforen sind überwiegend älteren Datums und ca. 7 bis 8 Jahre alt. Dann entnehme ich aus den Foren, es sind angehende Bauherren die sich dort austauschen und ihre Fragen beantwortet wissen wollen. Also Leute, die nicht in einem Passivhaus wohnen. In den Foren melden sich Leute mit den unterschiedlichsten Berechnungen und Annahmen zu Wort. Die einen sagen ein Passivhaus lohne sich nicht, andere kommen zu dem Schluss die Kostenbilanz sei ausgeglichen. Dann war zu diesem Zeitpunkt die Energiesituation, die Kosten dafür und die Materialien sowie Ausführungsqualität eine andere.

 

Bildquelle: passipedia

Die aktuellste Kostenberechnung stammt aus dem Jahre 2011 und beschreibt den Vergleich, den die Stiftung Warentest angestellt hat. Die Stiftung vergleicht mit einem kfW-60 Haus und stellt die Frage, ob sich die höheren Baukosten über die Jahre rentieren oder ob ein Niedrigenergiehaus günstiger ist.

Als Energiesparhäuser werden Bauten bezeichnet, die das Anforderungsniveau der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen. Die Verordnung unterteilt die Energiesparhäuser je nach Ihrer Energieeffizienz in verschiedene Kategorien. Ein Niedrigenergiesparhaus weist ein Heizwärmebedarf von 60 bis 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m²·a)auf. Ein KfW-60-Haus darf nur einen Bedarf von 40 bis 60 kWh/m² aufweisen. Das Passivhaus ist am umweltfreundlichsten. Es benötigt lediglich einen Heizwärmebedarf von unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Mit dem Passivhaus lässt sich also die meiste Energie einsparen. Doch dafür erfordert das Passivhaus auch höhere Baukosten. Rentiert sich solch eine Investition langfristig?

Stiftung Warentest verglich ein Standardenergiehaus, ein Niedrigenergiehaus kfW-60 und das Passivhaus. Die höheren Investitionskosten für ein Passivhaus amortisieren sich erst nach gut 20 Jahren. Stand 2011. Wer 20.000 Euro einsparen möchte, der sollte beim Hausbau ein kfW-60 Haus wählen. Die Baukosten waren damals ca. 5.000 € höher und sind je nach Finanzierung nach gut 10 Jahren wieder reingeholt.

Rechenbeispiel der Stiftung Warentest:

Es wurde ein Haus mit 150 m² Wohnfläche und Ratenzahlung von 1.000 € pro Monat genommen. Die Baukosten nach der damaligen Energieeinsparverordnung betrugen 180.000 €. Das kfW-60 Haus kostet 185.000 €. Als Passivhaus sind es 200.000 €, also wegen der höherwertigen Materialien und Bauausführung teurer. Dafür spart es dreimal so viel Energie ein wie das Standartenergiehaus. Während zu Preisen in 2011 die Energiekosten beim Passivhaus bei 3.396 € in 10 Jahren lagen, waren es beim Standardenergiehaus 12.452 €. Das kfW-60 Haus kommt in 10 Jahren auf 8.490 €.

Gut ein Jahr vorher hat das Portal EnBauSa aus Tübingen unter dem Titel: „Mehrkosten für Passivhaus im Neubau sinken“ festgestellt: Der Bau eines Passivhauses gilt häufig noch als edel und exklusiv. „Es ist aber nicht teuer, wenn man etwas Übung hat“, betont Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts. Ob es mehr kostet ein Passivhaus zu bauen, wie hoch die Mehrkosten sind und wie sie sich durch geringe Heizkosen kompensieren lassen, wird viel diskutiert. Ein wirklicher Kostenvergleich ist letztendlich schwierig. Das geht vermutlich nur mit gebauten Objekten.

Es gibt noch andere Berechnungen: Für ein Areal der Neuen Heimat Tirol kam Projektleiter in der Planungsphase für ein Niedrigenergiehaus mit einem Heizenergiebedarf von 35 kWh/m² im Vergleich zu einem Passivhaus mit einem Gesamtvolumen auf ein Plus von zirka 11 Prozent. Das Passivhaus-Kompendium spricht im gleichen Zeitraum in der damaligen Ausgabe von Mehrkosten für ein massiv gebautes Passivhaus von 9 Prozent im Vergleich zum Standardbau. Aus diesen Angaben ist erkennbar, ein Passivhaus rechnet sich schon, wenn alles stimmt, kompetent geplant und gebaut, die Finanzierung stimmt und es langfristig gedacht wird.

Einer der Kostenfaktoren beim Passivhausbau ist sicher immer noch die mangelnde Erfahrung der Architekten. Die meisten Architekten bauen auch heute noch das erste Mal und lernen während des Bauprozesses. Um die Lernkurve steiler zu machen, gibt es seit Oktober 2009 in ganz Europa Kurse zum zertifizierten Passivhaus-Planer. Die Resonanz sei enorm gewesen, im ersten halben Jahr habe man bereits 600 Zertifikate ausgestellt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Erfahrung der Bauträger bei der Bauausführung. Kosten lassen sich bei den Unternehmen einsparen, die sich schon lange für die Erstellung von Passivhäusern entschieden haben.

Heute ist 2014 und es hat sich vieles geändert. Vorschriften, Materialien, Verarbeitung und nicht zuletzt die Preise. Aber auch die Meinungen haben sich geändert. Und viele Meinungen tauchen in den Foren gar nicht mehr auf. Es ist ruhig geworden bei den Kritikern die sich vor gut 6 Jahren geäußert haben. Neuigkeiten zum Thema sucht man oft vergeblich.  Schließlich werden immer mehr Passivhäuser gebaut. Das muss doch einen Grund haben.

Eine Anmerkung zum Schluss: Die Bundesregierung plant nach der Europäischen Gebäuderichtlinie vorzugehen, die besagt, dass ab 2021 nur noch „Niedrigst-Energiegebäude“ gebaut werden dürfen. Als solche gelten Gebäude, die im Jahresmittel nahezu soviel Energie aus der Umwelt gewinnen, wie sie verbrauchen. Das schließt voraussichtlich neben Passivhäusern auch KFW 55 und KFW40 Häuser mit ein.Die genauen Grenzwerte für Primär bzw. Energiebedarf stehen noch nicht fest! Die immer weiter verschärften Energieeinsparverordnungen EnEV geben die Richtung dazu vor.

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